Geschlechtergerechte Sprache: Gendern leicht gemacht

Alle deutschsprachigen Universitäten (und darüber hinaus) haben sich zur (sprachlichen) Gleichbehandlung von Männern und Frauen verpflichtet. Dementsprechend ist es auch in wissenschaftlichen Abschlussarbeiten wie der Bachelorarbeit oder Masterarbeit notwendig, zu gendern – also geschlechtergerecht zu formulieren.

Mit „Gendern“ ist die Verwendung einer Sprache gemeint, die Männer und Frauen anspricht. Das Ziel ist es, Frauen und Männer gleichermaßen sichtbar zu machen und niemanden zu diskriminieren. Bei der Umsetzung gibt es allerdings viele Möglichkeiten, über die ich Dich im Folgenden aufkläre.

Gender Disclaimer

Vor einigen Jahren hat es noch gereicht, einen sogenannten „Gender Disclaimer“  am Beginn der Arbeit zu platzieren. Auch heute ist diese Vorgehensweise an manchen Fakultäten noch erlaubt. Der Vorteil für Studierende besteht darin, dass sie sich keine Gedanken über die Formulierung im Fließtext machen müssen. Das Thema „Geschlechtergerechte Sprache“ ist sozusagen gleich am Beginn der Arbeit abgehakt.

Folgende Formulierungen kannst Du für Deine Seminararbeit bzw. Bachelor- oder Masterarbeit übernehmen:

„Zur besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Es wird das generische Maskulinum verwendet, wobei beide Geschlechter gleichermaßen gemeint sind.“

„Die in der Abschlussarbeit gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf Männer und Frauen.“

Neutrale Formulierungen

Geschlechtsneutrale Formulierungen gelten als Mittel der Wahl, wenn es um den geschlechtergerechten Sprachgebrauch in Deiner Abschlussarbeit geht. Dabei verwendest Du zum Beispiel statt Studenten Studierende, statt Lehrer Lehrende, statt Teilnehmer Teilnehmende usw.

Viele Wörter sind ohnehin bereits neutral, wie z. B. die Person, der Mensch, oder die Eltern. Für andere Wörter sind neutrale Formulierungen zu konstruieren, z. B. über den Zusatz „-kraft“ (statt Putzfrau Reinigungskraft).

Der Vorteil dieser Variante ist, dass Du nur eine Form anzugeben brauchst und die Lesbarkeit Deiner Arbeit damit deutlich besser ist als bei den Varianten, die ich dir weiter unten vorstelle. Weil es jedoch häufig gar nicht so einfach ist, geschlechtsneutrale Formulierungen zu finden, gibt es ein tolles Online-Wörterbuch, in dem alle bekannten geschlechterneutralen Synonyme aufgelistet sind. Reinschauen lohnt sich!

Tatsächlich ist eine geschlechtsneutrale Form allerdings nicht für alle Begriffe möglich. In diesen Fällen ist auf die eine der folgenden Möglichkeiten zurückzugreifen.

Doppelform: Vollständige Paarform

Bei der vollständigen Paarform oder Doppelform wird sowohl die männliche als auch die weibliche Form genannt. Dazwischen kann entweder eine Konjunktion (und, oder, bzw.) sowie ein Schrägstrich stehen (Schülerinnen/Schüler, Lehrerinnen/Lehrer).

Beispiele:

Lehrer und Lehrerinnen haben an der Veranstaltung teilgenommen.

Viele Schülerinnen oder Schüler wissen nicht, was sie nach der Matura machen sollen.

Man ist sich einig: Verkäufer bzw. Verkäuferinnen verdienen zu wenig.

Die Schülerinnen/Schüler der 3b sind am Dienstag nach Wien gefahren.

Klammern und Schrägstriche

Allerdings ist auch eine verkürzte Schreibung möglich. Eine Variante ist jene mit  Schrägstrich oder Klammern.

Für Auskünfte stehen Ihnen unsere Mitarbeiter/-innen gerne zur Verfügung!

Für Auskünte stehen Ihnen unsere Mitarbeiter(innen) gerne zur Verfügung!

Binnen-I

Wesentlich häufiger findet man allerdings die Variante mit dem Binnen-I.

Ein Schulteam, bestehend aus zwölf SchülerInnen und einem/einer BegleitlehrerIn, reiste nach Mürzzuschlag in der Steiermark.

Gender-Sternchen

Das Gender-Sternchen ist erst seit wenigen Jahren vemehrt in wissenschaftlichen Arbeiten zu finden und ist aktuell für viele „State of the Art“.

Es wurden 150 Arbeitnehmer*innen der Firma XY befragt.

Unterstrich

150 Anwohner_innen wurden unbestimmten Grades verletzt.

Richtlinien der Universität beachten!

Auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du Dich nach den Richtlinien Deiner Universität oder Fachhochschule bzw. Deines Institutes erkundigst. Einen Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren haben beispielsweise die Universität Graz, die WU Wien oder die Universität zu Köln herausgegeben. Wenn Du dir unsicher bist, frag am besten bei deiner Betreuungsperson nach.

Du interessierst dich für ein Lektorat Deiner Bachelor- oder Masterarbeit? Melde ich gerne bei mir!

 

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